Forum 5: Kindermedien und Werte – Was wollen wir den Kindern mitgeben?

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Im fünften und letzten Forum der Kinder-Film&Fernseh-Tage 2006 wurden zunächst zwei interessante Fernsehprojekte präsentiert.
Birgit Guth, Jugendschutzbeauftragte und Leiterin der Medienforschung bei Super RTL, stellte die Kinderserie „Lazy Town – Los geht’s“ vor, von der zwei Folgen im begleitenden Filmprogramm der Kinder-Film&Fernseh-Tage 2006 liefen (siehe auch: Eröffnungsstatements, die Filme, der „Blick in die Werkstatt“).
Die 35-teilige Serie „Lazy Town“ von Magnus Scheving wurde 2004 in Island produziert und soll Kindern Spaß an einem gesunden Lebensstil vermitteln. Sportacus (Magnus Scheving) wird dabei zu einer Leitfigur aufgebaut, mit dem Ziel, dass Kinder die Lebensweise des Helden übernehmen. Neben Sportacus treten in der computeranimierten Serie noch zwei andere Realfiguren auf (das Mädchen Stefanie und der Bösewicht Freddie Faulig), die anderen Figuren (die Bewohner von Lazy Town) sind Puppen.
Zur Zeit wird „Lazy Town“ in 49 Ländern ausgestrahlt, bei Super RTL erreichte die Serie einen Marktanteil von 37 %. Birgit Guth beschrieb ausführlich die Programm begleitenden Maßnahmen zum Start der Serie, interessant sind die Merchandising-Produkte, wie z.B. das „Energy Book“, das Kinder auffordert, einen Monat lang gesund zu leben und dies im Tagebuch zu vermerken.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Erfurt, Iren Schulz, stellte eine Studie vor, in der untersucht wurde, ob und in welchem Umfang die Botschaften dieser Serie (gesunde Ernährung und Bewegung) die Wissensbestände der Zuschauer erweitern und eine Verhaltensänderung herbeiführen. Zudem wurde ein Epilog entwickelt, der die Botschaft am Ende einer Folge noch einmal zusammenfasste, und auf seine Wirkung hin untersucht. Die Herangehensweise an diese Untersuchung konnte allerdings die Tagungsteilnehmer nicht überzeugen.

„Unsere Zehn Gebote“ heißt die zehnteilige Fernsehserie, die die Kinderfilm GmbH in Koproduktion mit dem MDR, dem SWR und dem BR für den KI.KA produziert hat. Die Geschäftsführerin der Kinderfilm GmbH, Ingelore König, stellte das Projekt vor und zeigte die vierte Folge „4. Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“. Darin begibt sich ein 13-jähriges, afrodeutsches Mädchen auf die Suche nach ihrem Vater und kommt dabei einem lange gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur. Die Idee zu dieser Serie hatten vor einigen Jahren Friedemann Schuchardt, langjähriger Geschäftsführer von Matthias Film, und der damalige Programmgeschäftsführer des KI.KA, Albert Schäfer. Vor vier Jahren dann begannen die Autorinnen Carolin Otto, Mónica Simon und Petra Lüschow mit der Drehbucharbeit. Inzwischen ist die Serie fertiggestellt, jede Folge behandelt ein Gebot und ist 15 Minuten lang.
„Unsere Zehn Gebote“ möchte zum Nachdenken über unser moralisches Verhalten anregen und einen Impuls zur Bedeutung der Zehn Gebote als Bestandteil der abendländischen Kultur setzen. Um die Zuschauer direkt anzusprechen, wurde diese Reihe nicht „Die zehn Gebote“, sondern „Unsere Zehn Gebote“ genannt. Zehn verschiedene Geschichten handeln von Vertrauen und Liebe, Verantwortung und Ehrlichkeit, von Normen und Werten in unserer Gesellschaft. Parallel zur Serie wurde eine Internetseite (www.unsere-zehn-gebote.de) eingerichtet, auf der ausführliche Informationen zu den Zehn Geboten und zur Fernsehserie zu finden sind.

Am abschließenden Podiumsgespräch nahmen Ingelore König, Ingrid Arnold, Referentin bei Vision Kino, Sebastian Debertin, der Stellvertretende Programmgeschäftsführer des KI.KA, Frank Herrmann von Electronic Arts, der Redakteur des Kinderprogramms von Super RTL, Frank Klasen, und der Rundfunkbeauftragte der EKD, Bernd Merz, teil.
Margret Albers eröffnete die Diskussion mit der Frage, welche Werte eine Rolle bei der Planung von Kinderprogrammen spielen. Da Super RTL nur 10% an Eigenproduktionen im Programm haben, achten sie beim Kauf von Sendungen auf Werte. Kinderprogramm soll Neugier befriedigen, Spaß machen und bei der Orientierungssuche helfen. Freundschaft und Aufbegehren gegen Autoritäten sind wichtige Werte, die bei uns eine Rolle spielen, meinte Frank Klasen.
Sebastian Debertin nahm für den KI.KA in Anspruch, dass dort alle Programme Werte vermitteln. Wertevermittlung gehört zum Konzept dieses Senders. Frank Hermann wiederum zeigte auf, dass eine Wertevermittlung in Spielen nicht so einfach zu machen ist, schon allein deshalb, weil sie nicht narrativ wie z.B. Filme sind und auf Unterhaltung abzielen.
Bernd Merz wies darauf hin, dass man im Grunde genommen in fast jeder Geschichte Werte entdecken könne und dass es wichtig sei, Werte so konkret und so einfühlsam wie möglich zu behandeln. Sie dürfen nicht plakativ wie in dem vorher gezeigten Epilog von „Lazy Town“ dargestellt werden. Einig waren sich alle Gesprächspartner darin, dass Kinder ein Bedürfnis nach Regeln und Leitfiguren haben und diesem nachgegangen werden muss, allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger. Vor allem aber herrschte Einigkeit darin, dass bei aller Wertevermittlung in den Medien die Hauptverantwortung bei den Eltern liegt. Sie können von der Erziehung ihrer Kinder nicht entbunden werden wie auch ihre Vorbildwirkung von keiner Leitfigur zu schlagen ist.