Laura van Dijk nach einer Vorlage von Anna Woltz –„Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“

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[Niederlande/Deutschland 2018/2019 REGIE: Steven Wouterlood]

Eine Woche Ferien mit der Familie am Meer! Für Sam ist es eine Woche voller Rätsel, voller Glück und Traurigkeit. Untröstlich macht ihn der Gedanke, dass seine Eltern und sein älterer Bruder Jorre einmal sterben werden. höchstwahrscheinlich sogar vor ihm, weil er der Jüngste in der Familie ist. Also bereitet sich Sam auf diesen schmerzlichen Moment vor – mit einem heimlichen Alleinsein-Training: erst zwei, am nächsten Tag vier und am Ende der Ferien sogar zehn Stunden täglich. Glücklich dagegen ist Sam, wenn er mit der selbstbewussten, chaotischen Tess über die Insel streifen kann. Doch irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Ständig will sie bei Hugo und Elise, ihren Feriengästen, sein und drängt sich ihnen förmlich auf. Ob Tess in Hugo verliebt ist? Als Sam sie deshalb zur Rede stellen will, erzählt Tess, wer Hugo in Wirklichkeit ist. Klar, dass Sam nun seiner Freundin helfen muss. Zeit für das Alleinsein-Training, geschweige denn für seine Familie, bleibt da nicht mehr! Die turbulente Sommergeschichte für die ganze Familie wurde mit einem niederländisch-deutschen Team auf der Insel Terschelling in den Niederlanden gedreht.

Begründung der MDR-Rundfunkratjury

Sam liegt am Strand und denkt an den Tod. Warum? Weil wir alle sterben werden. Die einen eben früher, die anderen später. Noch mehr als den eigenen Tod ängstigt Sam die Vorstellung, irgendwann allein zu sein – ohne Eltern, ohne großen Bruder. Nicht viel anders muss sich der letzte Dinosaurier gefühlt haben. Diese Angst, findet Sam, gilt es zu überwinden. Und so möchte er ausgerechnet den gemeinsamen Familienurlaub fortan dazu nutzen, das Alleinsein zu üben. Aber mit Tess ist das eh nicht zu machen. Die gleichaltrige Inselbewohnerin hat ihre eigenen Pläne mit Sam. Sie spannt ihn immer wieder in ihre konfusen Tagesabläufe ein – um ihn dann stets aufs Neue abzuservieren. Im Laufe des Films erfahren wir, dass die undurchschaubare und sonderbare Tess in Wirklichkeit einen ganz geradlinigen Plan verfolgt. Ehe er aber aufgeht, muss Sam existentielle Erfahrungen machen und mehrere Versprechen brechen. Uns als Jury hat die zarte und lebensnahe Erzählweise imponiert. Ohne überhöhte Dramatisierung und frei von Effekthascherei verhandelt dieser Kinderfilm das selbst mitzubestimmende Recht auf beide Eltern sowie die Themen Tod, Einsamkeit und Akzeptanz. Als Zuschauer durchleben wir mit Tess den Versuch gegen den Wunsch der Mutter, ihren Vater zu finden und dabei ihre große Angst, von ihm nicht gewollt zu sein. Mit Sam blicken wir zweimal fast dem Tod ins Auge, aber eben nur fast. Und immer wieder müssen wir ein bisschen mit Sam leiden, mag Tess ihn nun oder nicht? Das verraten wir jetzt nicht, aber ganz nebenbei bekommt Sam das wertvollste Geschenk: Erinnerungen an eine wunderbar seltsame Woche mit Tess.